
Viele Eltern fragen sich, welche Rolle die Ernährung bei ADHS spielt. Auf dieser Seite stelle ich Fragen und Anregungen aus Erfahrungssicht zusammen, als Hilfe zur Selbsthilfe. Es sind keine Empfehlungen, keine Beratung und keine Behandlung. Eine ADHS-Abklärung und -Behandlung gehört in ärztliche Hände; Ernährungsfragen lassen sich dort gut mit besprechen.
Was die Forschung heute sagt: ADHS ist zu einem grossen Teil erblich mitbedingt. Zwillingsstudien schätzen den genetischen Anteil im Mittel auf rund 74 Prozent [1]. Daneben spielen Umweltfaktoren eine Rolle, welche genau, ist vielfach noch offen.
Offene Fragen zu möglichen Ursachen
Spielt ein Mangel an Nährstoffen eine Rolle?
Studien finden bei Kindern mit ADHS im Durchschnitt etwas niedrigere Ferritinwerte (Eisenspeicher) [2] und etwas niedrigere Vitamin-D-Spiegel [3] als bei anderen Kindern. Die Unterschiede sind klein, und ob der Mangel eine Ursache oder eine Begleiterscheinung ist, ist nicht geklärt.
Aus Sicht der Bedarfsorientierten Ernährung werden auch die Vitamine B1, B5 und B6 mit gereizten Nerven, Unruhe und Konzentration in Verbindung gebracht, ebenso Zink, Kalzium und Mangan. Ob ein Mangel daran bei ADHS eine Rolle spielt, ist meines Wissens bisher nicht durch aussagekräftige Studien belegt. Ein Mangel lässt sich mit einer Blutuntersuchung abklären.
Macht Zucker unruhig?
Eine Auswertung von 23 verblindeten Experimenten fand im Durchschnitt keinen Einfluss von Zucker auf Verhalten und Konzentration von Kindern; ein kleiner Effekt bei einzelnen Kindern liess sich aber nicht ausschliessen [4]. Manche Eltern beobachten trotzdem einen Zusammenhang bei ihrem Kind. Ob das so ist, lässt sich nur durch eigenes Beobachten herausfinden.
Welche Rolle spielen Zusatzstoffe?
Eine grosse Übersichtsarbeit fand, dass das Weglassen künstlicher Lebensmittelfarbstoffe die Symptome bei manchen Kindern etwas verringern kann. Für Präparate mit Fettsäuren (z. B. Omega-3) war der Effekt klein, für Eliminationsdiäten in verblindeten Bewertungen nicht nachweisbar [5]. Ob Glutamat (Geschmacksverstärker) bei einzelnen Kindern Unruhe auslöst, ist eine offene Frage.
Haben Impfungen etwas damit zu tun?
Diese Frage wurde gründlich untersucht. Eine dänische Studie mit über einer Million Kindern fand keinen Zusammenhang zwischen aluminiumhaltigen Impfstoffen und ADHS, Autismus oder anderen Entwicklungsstörungen [6].
Was ist mit KPU/HPU?
Kryptopyrrolurie (KPU) bzw. Hämopyrrollaktamurie (HPU) wird in der Naturheilkunde als Stoffwechselstörung mit Verlust von Vitamin B6, Zink und Mangan beschrieben. Schulmedizinisch ist sie nicht als Krankheit anerkannt [7], und es fehlen aussagekräftige Studien. Wer sich dafür interessiert, findet Informationen z. B. bei www.kpu-berlin.de oder dr-neidert.de.
Möglichkeiten aus Sicht der Bedarfsorientierten Ernährung
Wer ausprobieren möchte, ob die Ernährung bei einem unruhigen Kind (oder bei sich selbst) einen Unterschied macht, hat zum Beispiel diese Möglichkeiten:
- Vitamin B1 und B6: abends Vollgetreide (Gerste, Polenta, Hirse, Vollreis, Quinoa), ab und zu mittags Hülsenfrüchte (Linsen, gelbe Erbsen, weisse Bohnen, Borlotti-Bohnen), dazu Nüsse und Samen. Ruchmehl statt Weissmehl. Wer Hefe verträgt, kann Hefebrotaufstrich oder Edelhefeflocken verwenden, auch um weisse Teigwaren oder weissen Reis zu ergänzen.
- Zink: Gerste, Haferflocken, weisse Bohnen, Kürbiskerne (siehe Rezepte), Blumenkohl. Aus Sicht der BoE braucht Zink genug Vitamin D, um gut zu wirken.
- Mangan: gelbe Erbsen, Kichererbsen, Schaffleisch, Vollreis, Aubergine, Rotkohl, Kakao, Heidel-, Brom- und Preiselbeeren.
- Süsses: morgens weglassen, und wenn Süsses, dann nicht auf leeren Magen, sondern nach einem Butterbrot mit Käse oder Hefepaste.
- Glutamat: eine Zeit lang meiden und beobachten, ob sich etwas verändert. In Restaurants ist das nicht immer einfach.
- Beobachten: notieren, was gegessen wurde und wie es dem Kind danach ging. Reaktionen zeigen sich bei jedem etwas anders, bei Kindern etwa als plötzliche Streitlust oder Weinen, bei Erwachsenen eher als Gereiztheit oder Zerstreutheit.
Nahrungsergänzungsmittel (z. B. Eisen oder Vitamin D) und strenge Diäten bei Kindern am besten vorher mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt besprechen; Eisen sollte nur bei nachgewiesenem Mangel gegeben werden.
Sensibilität
Das Folgende hat nicht direkt mit Ernährung zu tun, aber mit auffälligen Kindern (und Erwachsenen): Manche Betroffene sind besonders empfindlich, seelisch wie körperlich. Viele Sinnesreize und Einflüsse aus der Umwelt bedeuten für sie Stress, und auch der Körper reagiert empfindlicher, etwa auf Ernährung oder Medikamente. Interessante Gedanken dazu bietet zum Beispiel Dagmar Neubronner auf YouTube.
Quellen
- Faraone SV, Larsson H: Genetics of attention deficit hyperactivity disorder. Molecular Psychiatry 24 (2019). Volltext
- Tseng PT et al.: Peripheral iron levels in children with attention-deficit hyperactivity disorder: a systematic review and meta-analysis. Scientific Reports 8 (2018). Volltext
- Vitamin D Status and Attention Deficit Hyperactivity Disorder: A Systematic Review and Meta-Analysis of Observational Studies. Advances in Nutrition 9 (2018), 9–20. PubMed
- Wolraich ML et al.: Metaanalyse zum Einfluss von Zucker auf Verhalten und Kognition von Kindern (23 Experimente aus 16 Studien). JAMA (1995). Zusammenfassung
- Sonuga-Barke EJS et al.: Nonpharmacological Interventions for ADHD: Systematic Review and Meta-Analyses of Randomized Controlled Trials of Dietary and Psychological Treatments. American Journal of Psychiatry (2013). Artikel
- Andersson NW et al.: Studie zu aluminiumhaltigen Impfstoffen und 50 Erkrankungen im Kindesalter, Annals of Internal Medicine, Juli 2025. Zusammenfassung des Statens Serum Institut
- Betroffene fordern die Anerkennung von HPU/KPU durch Ärzteschaft und Gesundheitswesen: Petition auf openPetition
Stand: November 2026.
Hinweis: Diese Website enthält keine medizinische Beratung und bietet keine Ernährungsberatung an. Sie ersetzt keine ärztliche Abklärung oder Behandlung. Die Bedarfsorientierte Ernährung (BoE) versteht sich hier als Hilfe zur Selbsthilfe: Sie fragt nach möglichen Zusammenhängen zwischen Ernährung und Befinden und gibt Anregungen aus Erfahrungssicht. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt.